Eigentlich wollte Airbus in diesem Jahr 720 Verkehrsflugzeuge ausliefern, ein Viertel mehr als 2021. Nun muss sich Vorstandschef Guillaume Faury doch mit 700 begnügen. "Wir könnten mehr Flugzeuge bauen, aber wir brauchen die Teile, vor allem Triebwerke", sagte er am Mittwoch in Toulouse. Noch in der vergangenen Woche hatte Faury betont, es sei zu früh, von den Zielen abzurücken. Nun macht er auch an den mittelfristigen Plänen Abstriche: Die Produktion des Verkaufsschlagers A320/A321 auf 65 von derzeit 50 Maschinen im Monat zu erhöhen, werde bis Anfang 2024 dauern - sechs Monate länger als geplant. Am Ziel, ein Jahr später 75 dieser Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge im Monat zu bauen, ändere sich nichts.

Auch der US-Erzrivale Boeing kämpft mit Teilemangel - vom Rohstoff bis zum Chip. "Wir erleben weiterhin echte Zwänge", sagte der Finanzchef des US-Flugzeugherstellers, Brian West, am Mittwoch. Schon auf der Flugzeugmesse in Farnborough hatten Zulieferer in der vergangenen Woche von Beschaffungsproblemen berichtet. Dabei zieht die Nachfrage von Fluggesellschaften und Leasingfirmen nach der Corona-Krise kräftig an. In den ersten sechs Monaten gingen bei Airbus brutto 442 (2021: 165) Flugzeug-Orders ein, 85 kamen allein in Farnborough hinzu. Faury will nun mit den Lieferanten ausloten, ob sich die Produktion von Langstreckenmodellen angesichts des grossen Bedarfs beschleunigen lässt.

Ausgeliefert hat der Konzern wie ein Jahr zuvor aber nur 297 Maschinen. Einige der Flugzeuge, die wegen der Sanktionen nicht nach Russland geliefert werden konnten, habe man schnell bei anderen Kunden untergebracht, sagte Finanzchef Dominik Adam. Der Umsatz trat im ersten Halbjahr mit 24,8 (24,6) Milliarden Euro ebenso auf der Stelle wie der operative Gewinn. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (bereinigtes Ebit) erreichte 2,65 (2,70) Milliarden Euro. Auf den Militärtransporter A400M schrieb Airbus 218 Millionen Euro ab. An den finanziellen Zielen hält Adam trotz der geringeren Produktion fest: Das bereinigte Ebit soll in diesem Jahr 5,5 Milliarden Euro erreichen, der operative Mittelzufluss (Free cash-flow) 3,5 Milliarden.

Boeing verbrennt kein Geld mehr

Aus Sicht von Boeing sind die Schwierigkeiten von Airbus Luxusprobleme. Der gebeutelte und hoch verschuldete US-Rivale überraschte die Experten damit, dass er im zweiten Quartal einen positiven Cash-flow von 81 Millionen Dollar erreichte und damit im operativen Geschäft kein Geld mehr verbrennt. Unter dem Strich stand aber ein operativer Verlust. Boeing sitzt nach der Corona-Krise und nach monatelangen Produktionsstopps der 737 MAX und des 787 "Dreamliner" auf einem Schuldenberg von mehr als 57 Milliarden Dollar.

Am Mittwoch stellte Vorstandschef Dave Calhoun in Aussicht, dass nach dem Verkaufsschlager 737 MAX auch die Boeing-787-Langstreckenmodelle bald wieder abheben dürfen. Der Konzern hatte die Auslieferungen vor einem Jahr gestoppt, nachdem in Teilen des Flugzeugs Haarrisse entdeckt worden waren. Die Reparaturen dürften Boeing 5,5 Milliarden Dollar kosten. "Wir machen bedeutsame Fortschritte, aber vor uns liegt noch viel Arbeit", fasste Calhoun das Quartal zusammen.

(Reuters)