„Totilas war wie bestimmte Fußballer“

Der einstige Wunderhengst Totilas ist tot. Das teuerste Dressurpferd der Welt wurde 20 Jahre alt, es erlag den Folgen einer Kolik.
Das Wunderpferd Totilas führte ein Leben für die Leistung: Als Sportpferd und als Zuchthengst. Sein Trainer sagt, der Rappe habe eine „Übereinstellung“ gehabt. Seit seinem Tod steigt die Nachfrage nach seinem Samen.
Totilas war immer mehr als nur ein Pferd. Er verzauberte die Zuschauer mit seiner Ausstrahlung. Als der Hengst am 14. Dezember überraschend mit 20 nach einer Kolik-OP verstarb, stand die Reiter-Welt still. „Es ging ihm vorher hervorragend“, sagt Eigentümer Paul Schockemöhle (75).
Rund elf Millionen Euro kostete der Hengst 2010 – Rekord für ein Dressurpferd. Im Superlativ sollte es weitergehen, doch die sportlichen Ergebnisse stimmten selten. Höhepunkt waren drei Siege unter Matthias Alexander Rath (36) beim CHIO 2011. Sonst plagten ihn viele Verletzungen. 2015 brach ein altes Knochenödem auf – das frühe Karriereende. Danach war er nie verletzt und „immer gerade“, sagt Schockemöhle. Fröhlich wiehernd lief Totilas zuletzt über den Schafhof in Kronberg (Taunus).
Es waren Momente der Ruhe, denn sonst führte der Rappe ein Leben für die Leistung: Als Sportpferd und als Zuchthengst, der starke Nachkommen produzieren sollte.
Hatte Totilas ein schönes Leben? Trainer Sjef Janssen (70) arbeitete mit ihm in Holland und Deutschland. Er sagt: „Bei Pferden darf man nicht zu viel Druck machen, denn sie müssen ein Maß an Spaß an der Arbeit haben. Sonst geht es nicht.“ Totilas habe laut Janssen eine „herausragende Einstellung“, sogar eine „Übereinstellung“ gehabt. Doch das führte oft zu Verletzungen. Janssen: „Da war er wie bestimmte Fußballer.“ Wie Arjen Robben? Janssen: „Ja!“
Totilas hat 509 registrierte Nachkommen
Harte Kritik gab es an den Trainingsmethoden: Bei der „Rollkur“ wird der Kopf mit den Zügeln Richtung Brust gezogen. So wird das Pferd unter Kontrolle gehalten. Janssen verteidigt dies: „Wir wissen, dass das Pferd die Arbeit genießt. Wir entwickeln die ganzen Muskeln des Pferdes.“ Die Haltung werde ständig variiert.
Totilas war auch eine Zuchtmaschine: Ab Ende 2010 wurde sein Samen für 8000 Euro verkauft. Insgesamt gibt es 509 registrierte Nachkommen. Das brachte über 2,5 Mio. Euro ein. Ein paar werden noch folgen, aber Schockemöhle hat „nicht mehr viel“ tiefgefrorenes Sperma. Der Preis liegt bei 2800 Euro, geht jetzt wohl hoch. Die Nachfrage steigt seit dem Tod.
Was bleibt von Totilas? Schockemöhle: „Ich habe durch ihn sehr gute Hengste, in denen er weiterlebt und die gute Anlagen haben. Ich bin sehr stolz, dass ich ihn überhaupt kaufen konnte.“